Wir haben einen neuen Mitbewohner.Seit siebzehn Tagen haben wir wieder eine zweite Katze, genauer gesagt, einen kleinen Kater, der uns aber als Katzenmädchen "vermacht" wurde: der Zwuggel. Er wird auch Butzelchen oder Zwuggelchen genannt und hat noch keinen richtigen Namen - es sei denn, wir bleiben bei Zwuggel als Name. Ich wäre auch für Rossini, aber Samuel findet das nicht so gut, er wäre evt. für Tilli. Der Zwuggel wurde seiner Mama vermutlich viel zu früh weggenommen, als

er zu uns kam, hieß es, er sei zehn Wochen, aber er war wohl höchstens acht Wochen alt. Er ist ein ganz Süßer, der schnurrt und schnurrt und schnurrt, aber manches könnte noch schwierig mit ihm werden, z. B. ist er nicht immer ganz sauber nach dem Klogang. Vielleicht konnte er nicht richtig lernen, wie man sich säubert, weil er als so Kleiner von seiner Katzenmama weggenommen wurde?
Bei unseren anderen Katzen konnten wir ja auch beobachten, wie die Mutterkatze die Kleinen schleckte, bis sie etwa drei Monate alt waren, und zwar ganz intensiv. Ganz abgesehen vom Säugen scheint das Schlecken auch wichtig für die Kleinen zu sein, und das fehlt unserem Zwuggeli nun. An manchen Verhaltensweisen

von ihm glaube ich zu erkennen, daß man merkt, daß er mit Menschen groß wird, z. B. hat er null Angst vor dem Staubsauger bzw. dem Staubsauger-Geräusch und auch ein paar Tropfen Wasser können ihn nicht beeindrucken. Ich bin mal gespannt, was wir mit ihm noch alles erleben werden. Er klettert schon jetzt an allen möglichen und unmöglichen Stellen in der Wohnung rum und schmeißt munter die Sachen aus den Regalen. Und ich hoffe sehr, daß er gesund ist, denn seit wir ihn haben, läuft eine dunkle Flüssigkeit aus seinen Augen, was ihn aber nicht weiter zu beeinträchtigen scheint. Wenn es nicht besser wird, ist ein baldiger Tierarztbesuch angesagt ...
Mit unserem Kater Percy, der nun etwas über drei Jahre alt ist, scheint der Zwuggel gut zurecht zu kommen, und auch Percy scheint ihn im Großen und Ganzen zu akzeptieren. Er spielt mit ihm und lehrt ihn das Kämpfen - so jedenfalls sieht es aus - und sie haben ihre Zeiten, wo sie wie die wilden Raketen durch die Wohnung und über die Balkone fegen. Manchmal geht der Percy auch ganz gemütlich von dannen, wenn der Zwuggel ihn anspringt, oder er macht einen coolen Satz über ihn und entzieht sich seiner Reichweite, wenn er offenbar seine Ruhe haben möchte. Es ist wirklich interessant und oft auch amüsant, die beiden zu beobachten.
Das Sommerfest vom Badischen KonservatoriumAlle zwei Jahre macht das Badische Konservatorium ein großes Sommerfest in der Anlage beim Sandkorn-Theater. Vor zwei Jahren waren wir erstmals dort, weil Samuel dort auch erstmals zusammen mit dem Harfenensemble seiner Lehrerin, Frau Navarro, spielte. Damals war ich mit Charlotte bis zum Ende des Festes geblieben, weil gerade die später auftretenden Ensembles einfach klasse und hörenswert waren. Dieses Mal mußten wir Samuels Harfe hinbefördern, etwas früher als das Fest begann,

weil es noch Proben gab. Dann brachte ich Charlotte zu ihrer Babysitterin, weil es ein sehr heißer Tag war und ich nicht riskieren wollte, daß Charlotte bei dem ganzen Trubel und der Hitze einen Anfall bekäme.
Samuel spielte zu Beginn als einziger Harfenist mit einer Gruppe Streicher und später zusammen mit dem großen Harfenensemble. In der Zwischenzeit, während die Harfengruppe noch übte, verfolgte ich die weiteren Darbietungen. Nicht nur das Zuhören, auch das Beobachten der kleinen und größeren

MusikerInnen faszinierte mich, wie sie je nach Temperament mit Ernst, mit Leichtigkeit, mit Schalk im Gesicht sangen und ihre Instrumente spielten. Mit dem Mittelstufen-Orchester trat ein hervorragend spielender Gitarre-Solist auf, ein Junge etwa in Samuels Alter. Besonders gefallen hat mir auch der Chor "Tönespucker", bei dem die jüngsten Teilnehmenden erst fünf Jahre alt sind. Gegangen sind wir diesmal (ich allerdings wehen Herzens) schon etwas vor Schluß, weil wir Charlotte nicht so spät abholen konnten, da ihre Babysitterin nach einer Operation noch in Rekonvaleszenz ist. Es war ein schöner Nachmittag.
Juli - der Monat mehrerer GeburtstageAm Samstag war das Konservatoriums-Sommerfest gewesen, am Sonntag dann hatte Charlotte Geburtstag. Einen Sonntag später hatte ihre Babysitterin Geburtstag und am darauffolgenden Donnerstag dann ich. Nach dem wir schon Samuels Geburtstag bei der Babysitterin gefeiert hatten, taten wir dies nun auch mit Charlottes und meinem Geburtstag. Wie schön, daß unsere liebe Frau A. - mehr oder weniger als letzte unseres langjährigen engen Freundeskreises - noch mit

uns in Karlsruhe ist und wir immer wieder so viel Unterstützung von ihr erhalten!
Zu meinem Geburtstag leistete ich mir eine Trink-Kokosnuß, eine Frucht, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, für stolze vier Euro! Samuel und ich entdeckten sie, als wir bei Frau A. im Rewe fürs Abendessen zu meinem Geburtstag einkauften. Wir waren etwas mißtraurisch, ob diese große Frucht wirklich eine Menge Kokosmilch enthielt, wie uns gesagt wurde, da wir beim Schütteln keine Flüssigkeitsgeräusche hörten. Als wir uns ans Öffnen machten, wurden wir noch

mißtraurischer, denn man mußte viel tiefer bohren, um an die Flüssigkeit zu kommen, als wir erwartet hatten. Aber dann gelang das Öffnen doch und tatsächlich enthielt die Frucht eine ganze Menge leckerster Kokosmilch!
Ein durchwachsenes WochenendeSo wie das Wetter - etwas wechselhaft aber mit Tendenz dazu, eher angenehm zu sein - war unser aktuelles Wochenende. Gestern fuhr ich eine ganze Autoladung voll Wertstoffmüll zum Wertstoffhof in der Maybachstraße - man glaubt ja kaum, wie schnell sich solche Ladungen Überflüssiges immer wieder ansammeln. Und nachdem ich lange Zeit nichts weggeschafft habe, stehen noch weitere solcher Fahrten bevor. Aber es ist auch schön, wieder "Lichtblicke" in der Wohnung zu haben, genauso wie es schön ist, wieder mal frische, blühende Pflanzen auf dem Balkon zu sehen oder durch Fenster zu schauen, als wäre gar keine Scheibe drin (weil sie so durchsichtig sind).

Nachmittags waren wir dann nach Grünwettersbach gefahren und haben einen kleinen Ausflug mit Waldspaziergang und Picknick zum dortigen Funkturm gemacht. Im Wildschweingehege war genau ein Frischling zu sehen, der im Rudel der älteren Wildschweine mittrabte. Ich freute mich, daß Samuel überhaupt Lust hatte mitzugehen und daß die Kinder, die mit der anderen Familie gekommen waren und meine Kinder offenbar einen gemütlichen und netten Nachmittag verbringen konnten. Charlotte lief gut mit, wir hatten keinen Buggy dabei und das war etwas gewagt, denn in der Nacht zuvor hatte sie zwei Grand Mals und eine Gabe Valiquidtropfen gehabt. Aber den großen Rehabuggy mitzuschleppen ist immer so ein Aufwand, den ich gerne meide, und wenn der Buggy erstmal dabei ist, sitzt Charlotte oft drin, obwohl sie genauso gut laufen könnte. Und ich oder sont jemand muß das schwere Gefährt ja auch schieben, was auch nicht so angenehm ist.

Heute begannen Charlotte und ich unseren Tag mit einem leckeren Melonen-Obstsalat-Frühstück, die Früchte teils konventionell aus dem Supermarkt, teils Euro-Bio, teils echtes (Edel-)Bio (von "
Gut zum Leben"). Ich schmeckte diese echten Bio-Johannisbeeren und war ganz verwundert. War das eine besondere Sorte? Denn so (köstlich!), genau so, haben die roten Johannisbeeren aus meiner Kindheit geschmeckt, diejenigen aus dem Täfertinger Garten, die uns irgendwann zum Hals raushingen, wenn Erntezeit war, weil es so sehr viele davon gab und weil wir miternten mußten, diejenigen aus dem Garten meiner Patentante im Tannheimer Tal, auf einer Höhe von über 1100 m ü. NN wachsend, die kostbar waren, weil es nicht so viele davon gab, und diejenigen - viel später gepflanzten - aus dem Garten des Ferienhauses meiner Eltern im gleichen Tal, die genauso kostbar waren bzw. sind. Ich hatte gleich solche Lust, doch endlich hier wegzuziehen und irgendwo auf einem großen, eigenen Grundstück zu leben und wirklich gute Dinge anzubauen ... aber das wird wohl vorerst noch Zukunftsmusik bleiben.
Immerhin haben wir im Garten hinter dem Haus, wo wir wohnen, der ziemlich verwildert ist, dieses Jahr wunderschön große Brombeeren, von denen etliche jetzt schon reif sind und auch überaus lecker schmecken. Dort könnten wir eine Oase gestalten, haben das aber nie geschafft. Und da sind wir schon bei den unangenehmen Seiten dieses Wochenendes: Unsere Nachbarn, die aus unserem Haus - immer wieder habe ich das Gefühl, daß ich hier doch nur in Angst leben kann - sind mir wieder negativ aufgefallen. Es war nach all den Querelen und Übergriffen des Scheusals (der stalkende Nachbar) zwar ein bißchen besser geworden, aber richtig gut ist für mich die Atmosphäre zum Leben hier noch immer nicht wieder geworden. Ob es je wieder werden wird? Einige gute und sogar manche sehr gute Zeiten hatten wir hier ja durchaus gehabt. Aber wenn mir dann der türkische Nachbar grußlos mit einem Gesicht, als ob er am liebsten gleich alles zu Kleinholz schlagen würde, über den Weg läuft, und wenn ich dann feststellen muß, daß mein Waschpulver ein einziger nasser Klumpen ist - was fast nur das Scheusal so angerichtet haben kann (wir haben alle eine gemeinsame Waschküche im Keller) - ja, dann langt's mir mal wieder. Und was noch schlimmer ist: Nicht, daß ich einfach eine Wut kriege, nein, ich bekomme Angst, Angst vor Übergriffen, vor weiterem Mobbing, vor dem Leben hier. Angst davor, Charlotte frei rumlaufen zu lassen und unsere Schweinchen im Garten zu haben (die Katzen dürfen eh schon seit einem knappen Jahr nicht mehr raus) und Beschäftigungen im Keller nachzugehen, wie z. B. dem Wäschewaschen.
Ein Leben in Angst ist - so stelle ich in der letzten Zeit fest (denn ich kannte das vorher nie) - das Schlechteste, was einem passieren kann. Es geht krass in die Richtung, daß das Leben an und für sich überhaupt nicht mehr lohnt bzw. lebenswert ist. Also sage ich mir natürlich immer wieder ganz bewußt, daß es keinen Grund gibt, vor ein paar Nachbarn Angst zu haben, aber die Angst läßt sich - auch wenn diese Strategie einigermaßen wirkt - nicht einfach wegradieren. Ganz stark habe ich außerdem den Eindruck, daß das zwar momentan "mein Bier" ist, was ich hier erlebe, daß es aber andererseits nur ein Spiegel unserer Gesellschaft ist, einer Gesellschaft, die zunehmend unter Angst und Druck (welcher die Angst entweder erzeugt oder, falls schon vorhanden, verstärkt) zu leiden und zu leben hat.
Um kurz nach sieben abends heute hatte Charlotte dann einen Anfall im Garten, nach zehn oder mehr Tagen, die sie nun wenigstens tagsüber keine Anfälle mehr hatte also wieder einer aus dem Wachen. Das ist so zermürbend, vor allem seit ich diese Anfälle mit starker Atemdepression und sogar kurzfristigem Atemstillstand erlebt habe. Und dann erholt sich Charlotte nach solchen Anfällen immer wieder und teilweise unheimlich schnell! Das finde ich erstaunlich und es beruhigt mich schon, aber der Gedanke im Hinterkopf, daß sie einen derartigen Anfall auch nicht überleben könnte, der keimt immer wieder auf. Samuel, der schon davor schlecht drauf war, weil er ein Haus für die Meerschweinchen falsch zusammengebaut hatte, ist mal wieder ganz fertig und schlapp. Dieses Drama mit seiner Schwester schient ihm doch vielmehr zuzusetzen, als ich je wahrhaben konnte, zumindestens in der letzten Zeit erscheint es mir so.
Morgen muß ich einen Haufen Papiere beim Jobcenter abgeben, für mich, die ich Papiere nicht ordentlich in Ordnern oder ähnlich verwahre sondern einfach auf irgendwelchen Stapeln horte, bis diese sich wieder auflösen und das Zeug teilweise entsorgt wird, ein Horror. Ich habe null Lust auf eine nächtliche Suche und überhaupt ist es dieses Jobcenter, diese staatliche Sklavenmarktmaschinerie, die mich mehr drückt in meinem Leben als irgendetwas zuvor oder jeglicher Zustand von Charlotte. Und auch mehr als der stalkende Nachbar, denn das Jobcenter ist etwas nicht wirklich Greifbares, das ganze Gebilde und Gebäude hat etwas stark Kafkaeskes. Und um dieses verfassungswidrige Konstrukt ARGE mit angeschlossenen Jobcentern nicht umordnen zu müssen soll nun sogar die Verfassung geändert werden, welch ein Hohn!

Nun hatte Charlotte gerade noch einen Anfall (im Schlaf). Sie hat sich aber davon schnell erholt und ist nun wieder wach und recht munter. Und sie spielt mit einem ihrer Geburtstagsgeschenke, der Korbschaukel. Diese Korbschaukel ist an der Decke aufgehängt, bei unserem Computer-Arbeitsplatz, so daß Charlotte direkt bei mir oder Samuel sitzen kann und wir mit ihr sprechen können, auch wenn wir am Computer beschäftigt sind. Eine Einrichtung, die wir - bevor es den Korb gab - in ähnlicher Form schon lange haben und die sich voll bewährt hat!