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Dienstag, 22. Juli 2008

Kinderklau durch Jugendamt

Nachfolgend veröffentliche ich einen Rundbrief von Jörg Großelümern vom Netzwerk Bildungsfreiheit zum tragischen Schicksal der Familie Gorber aus der Nähe von Überlingen am Bodensee:

Liebe Freunde,

ich möchte Ihnen/Euch heute einen besonders tragischen Fall von Machtmißbrauch durch das staatliche Jugendamt zur Kenntnis geben und dabei auch kurz um Ihre/Eure Mithilfe bitten.

Der Familie Gorber aus Überlingen am Bodensee wurde bereits vor rund einem halben Jahr sechs (!!!) minderjährige Kinder widerrechtlich abgenommen und in Heimen untergebracht, gegen den Willen auch der Kinder selbst, die eindeutig bekundet haben zurück nach Hause zu wollen und denen dies bisher von Behördenseite verweigert wurde.

Alle näheren Details der betreffenden Familie Gorber sind hier dargelegt

Wir sind zwar als Netzwerk Bildungsfreiheit nicht direkt in den Fall einbezogen, kennen die Familie auch nicht persönlich, sind aber über Dritte, die Familie Gorber einen Besuch abgestattet haben, der Überzeugung, dass hier ein haarsträubender Fall von Machtmißbrauch durch das Jugendamt stattfindet, der ähnlich wie bereits im Fall Busekros aus Erlangen vor den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehört und auch dem europäischen Parlament zur Kenntnis gebracht werden sollte. Außerdem bedarf es eines geballten Protestes aus den Reihen der Bevölkerung. Die Institution Jugendamt mutiert in einigen Städten und Kreisen mittlerweile zu einer Kinderklaubehörde. Dem gilt es entschlossen entgegenzutreten.

Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um sich kundig zu machen und beteiligen Sie sich an der Online Unterzeichnung einer Bittschrift, die eine private Initiative dazu spontan gestartet hat. Die Bittschrift kann hier unterzeichnet werden:
Außerdem wäre es hilfreich, wenn zum Gerichtstermin am 29.7. um 14 Uhr beim Amtsgericht in Überlingen zahlreiche Besucher erscheinen würden. Vielleicht lässt sich dort auch kurzfristig eine Mahnwache organisieren und Flugblätter über die kriminellen Machenschaften deutscher Jugendämter verbreiten. Bitte auch örtliche Presse in diesem Fall informieren.

Für Ihre/Eure Unterstützung bedanke ich mich herzlich.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Großelümern
Netzwerk Bildungsfreiheit


Verschiedene Artikel über die Familie Gorber und ihr Schicksal findet man bei MEDRUM Christliches Informationsforum, die Links sind gelistet unter: http://www.medrum.de/?q=search/node/Gorber


Wer Zweifel daran hat, daß es von Seiten deutscher Jugendämter Kinderklau gibt, der sehe sich bitte dieses Video an, in dem Frau Annelise Oeschger, die Präsidentin der Konferenz der Internationalen Nichtregierungsorganisationen, vor dem Petitionsausschuß des Europäischen Parlaments spricht. Zu diesem Video bzw. der Rede von Frau Oeschger liest man bei Presseblog:

Auf Drängen der schweizer Juristin und Präsidentin der INGO-Konferenz im Europarat, Annelise Oeschger, hat der Petitionsausschuss des Europäisches Parlaments das Thema "Systematische Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Jugendämter" kurzfristig in die Tagesordnung der Sitzung am 22.11.2007 aufgenommen.

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte Frau Oeschger die sog. Bamberger Erklärung an den Vorsitzenden des Petitionsausschusses übergeben. In ihrer flammenden Rede forderte sie die Mitglieder des Petitionsausschusses auf, die zahlreichen Petitionen vorrangig zu behandeln, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass durch die lange Verfahrensdauer unumkehrbare Verhältnisse zu Lasten der Kinder, deren Familien und gerichtlicher Verfahren geschaffen werden. Sie stellte weiter fest, dass die Tatsache, dass täglich weitere Petitionen eintreffen, keinesfalls als Vorwand dafür benutzt werden dürfe, deren Behandlung aufzuschieben - schließlich seien die ersten Petitionen schon vor über einem Jahr eingereicht worden. Frau Oeschger wies mit Nachdruck darauf hin, dass zahlreiche Petenten die Abschaffung der Jugendämter fordern.

Große Besorgnis äußerte Frau Oeschger über die schriftliche Äußerung der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gegenüber einem Petenten vom 29.10.2007, nach der in Bezug auf die Jugendämter kein Änderungsbedarf bestünde.

Auszüge aus der Rede:
"In Westeuropa haben wir viel zu lange weggesehen, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in unseren eigenen Ländern geht."
"Es handelt sich hier nicht um gehäuftes Auftreten von Einzelfällen, sondern um systematisches Unrecht."

Im Anschluss an die Rede von Frau Oeschger betonte der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Marcin Libicki, die große Bedeutung, die der Ausschuss den Petitionen gegen die deutschen Jugendämter beimesse. Dies ließe sich bereits daran erkennen, dass die Erklärung noch kurzfristig in die Tagesordnung aufgenommen wurde. Der Petitionsausschuss habe bereits eine Informationsreise nach Berlin unternommen; zur Zeit sei ein Initiativbericht über die rechtliche Lage in Arbeit. Herr Libicki forderte Frau Oeschger auf, an der Seite des Sekretariats des internen Berichts mitzuarbeiten. Der Bericht solle schnellstmöglich fertiggestellt und möglichst bald beraten werden. Eine verbindliche Zusage über den genauen Termin konnte Herr Libicki jedoch nicht machen.

http://presseblog.blogger.de/stories/978102


Vielleicht erreicht dieser Beitrag ja Menschen, die am kommenden Dienstag, den 29. Juli 2008 um 14 Uhr vor dem Amtsgericht Überlingen ihren Protest gegen die Herausnahme der Kinder der Famile Gorber und die Machenschaften deutscher Jugendämter zum Ausdruck bringen wollen.


Es ist Zeit aufzustehen.


„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

(von http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Niem%C3%B6ller)

Sonntag, 20. Juli 2008

Aus unserem Alltag ... (3)

Wir haben einen neuen Mitbewohner.

Seit siebzehn Tagen haben wir wieder eine zweite Katze, genauer gesagt, einen kleinen Kater, der uns aber als Katzenmädchen "vermacht" wurde: der Zwuggel. Er wird auch Butzelchen oder Zwuggelchen genannt und hat noch keinen richtigen Namen - es sei denn, wir bleiben bei Zwuggel als Name. Ich wäre auch für Rossini, aber Samuel findet das nicht so gut, er wäre evt. für Tilli. Der Zwuggel wurde seiner Mama vermutlich viel zu früh weggenommen, als er zu uns kam, hieß es, er sei zehn Wochen, aber er war wohl höchstens acht Wochen alt. Er ist ein ganz Süßer, der schnurrt und schnurrt und schnurrt, aber manches könnte noch schwierig mit ihm werden, z. B. ist er nicht immer ganz sauber nach dem Klogang. Vielleicht konnte er nicht richtig lernen, wie man sich säubert, weil er als so Kleiner von seiner Katzenmama weggenommen wurde?

Bei unseren anderen Katzen konnten wir ja auch beobachten, wie die Mutterkatze die Kleinen schleckte, bis sie etwa drei Monate alt waren, und zwar ganz intensiv. Ganz abgesehen vom Säugen scheint das Schlecken auch wichtig für die Kleinen zu sein, und das fehlt unserem Zwuggeli nun. An manchen Verhaltensweisen von ihm glaube ich zu erkennen, daß man merkt, daß er mit Menschen groß wird, z. B. hat er null Angst vor dem Staubsauger bzw. dem Staubsauger-Geräusch und auch ein paar Tropfen Wasser können ihn nicht beeindrucken. Ich bin mal gespannt, was wir mit ihm noch alles erleben werden. Er klettert schon jetzt an allen möglichen und unmöglichen Stellen in der Wohnung rum und schmeißt munter die Sachen aus den Regalen. Und ich hoffe sehr, daß er gesund ist, denn seit wir ihn haben, läuft eine dunkle Flüssigkeit aus seinen Augen, was ihn aber nicht weiter zu beeinträchtigen scheint. Wenn es nicht besser wird, ist ein baldiger Tierarztbesuch angesagt ...

Mit unserem Kater Percy, der nun etwas über drei Jahre alt ist, scheint der Zwuggel gut zurecht zu kommen, und auch Percy scheint ihn im Großen und Ganzen zu akzeptieren. Er spielt mit ihm und lehrt ihn das Kämpfen - so jedenfalls sieht es aus - und sie haben ihre Zeiten, wo sie wie die wilden Raketen durch die Wohnung und über die Balkone fegen. Manchmal geht der Percy auch ganz gemütlich von dannen, wenn der Zwuggel ihn anspringt, oder er macht einen coolen Satz über ihn und entzieht sich seiner Reichweite, wenn er offenbar seine Ruhe haben möchte. Es ist wirklich interessant und oft auch amüsant, die beiden zu beobachten.


Das Sommerfest vom Badischen Konservatorium

Alle zwei Jahre macht das Badische Konservatorium ein großes Sommerfest in der Anlage beim Sandkorn-Theater. Vor zwei Jahren waren wir erstmals dort, weil Samuel dort auch erstmals zusammen mit dem Harfenensemble seiner Lehrerin, Frau Navarro, spielte. Damals war ich mit Charlotte bis zum Ende des Festes geblieben, weil gerade die später auftretenden Ensembles einfach klasse und hörenswert waren. Dieses Mal mußten wir Samuels Harfe hinbefördern, etwas früher als das Fest begann, weil es noch Proben gab. Dann brachte ich Charlotte zu ihrer Babysitterin, weil es ein sehr heißer Tag war und ich nicht riskieren wollte, daß Charlotte bei dem ganzen Trubel und der Hitze einen Anfall bekäme.

Samuel spielte zu Beginn als einziger Harfenist mit einer Gruppe Streicher und später zusammen mit dem großen Harfenensemble. In der Zwischenzeit, während die Harfengruppe noch übte, verfolgte ich die weiteren Darbietungen. Nicht nur das Zuhören, auch das Beobachten der kleinen und größeren MusikerInnen faszinierte mich, wie sie je nach Temperament mit Ernst, mit Leichtigkeit, mit Schalk im Gesicht sangen und ihre Instrumente spielten. Mit dem Mittelstufen-Orchester trat ein hervorragend spielender Gitarre-Solist auf, ein Junge etwa in Samuels Alter. Besonders gefallen hat mir auch der Chor "Tönespucker", bei dem die jüngsten Teilnehmenden erst fünf Jahre alt sind. Gegangen sind wir diesmal (ich allerdings wehen Herzens) schon etwas vor Schluß, weil wir Charlotte nicht so spät abholen konnten, da ihre Babysitterin nach einer Operation noch in Rekonvaleszenz ist. Es war ein schöner Nachmittag.



Juli - der Monat mehrerer Geburtstage

Am Samstag war das Konservatoriums-Sommerfest gewesen, am Sonntag dann hatte Charlotte Geburtstag. Einen Sonntag später hatte ihre Babysitterin Geburtstag und am darauffolgenden Donnerstag dann ich. Nach dem wir schon Samuels Geburtstag bei der Babysitterin gefeiert hatten, taten wir dies nun auch mit Charlottes und meinem Geburtstag. Wie schön, daß unsere liebe Frau A. - mehr oder weniger als letzte unseres langjährigen engen Freundeskreises - noch mit uns in Karlsruhe ist und wir immer wieder so viel Unterstützung von ihr erhalten!

Zu meinem Geburtstag leistete ich mir eine Trink-Kokosnuß, eine Frucht, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, für stolze vier Euro! Samuel und ich entdeckten sie, als wir bei Frau A. im Rewe fürs Abendessen zu meinem Geburtstag einkauften. Wir waren etwas mißtraurisch, ob diese große Frucht wirklich eine Menge Kokosmilch enthielt, wie uns gesagt wurde, da wir beim Schütteln keine Flüssigkeitsgeräusche hörten. Als wir uns ans Öffnen machten, wurden wir noch mißtraurischer, denn man mußte viel tiefer bohren, um an die Flüssigkeit zu kommen, als wir erwartet hatten. Aber dann gelang das Öffnen doch und tatsächlich enthielt die Frucht eine ganze Menge leckerster Kokosmilch!


Ein durchwachsenes Wochenende

So wie das Wetter - etwas wechselhaft aber mit Tendenz dazu, eher angenehm zu sein - war unser aktuelles Wochenende. Gestern fuhr ich eine ganze Autoladung voll Wertstoffmüll zum Wertstoffhof in der Maybachstraße - man glaubt ja kaum, wie schnell sich solche Ladungen Überflüssiges immer wieder ansammeln. Und nachdem ich lange Zeit nichts weggeschafft habe, stehen noch weitere solcher Fahrten bevor. Aber es ist auch schön, wieder "Lichtblicke" in der Wohnung zu haben, genauso wie es schön ist, wieder mal frische, blühende Pflanzen auf dem Balkon zu sehen oder durch Fenster zu schauen, als wäre gar keine Scheibe drin (weil sie so durchsichtig sind).

Nachmittags waren wir dann nach Grünwettersbach gefahren und haben einen kleinen Ausflug mit Waldspaziergang und Picknick zum dortigen Funkturm gemacht. Im Wildschweingehege war genau ein Frischling zu sehen, der im Rudel der älteren Wildschweine mittrabte. Ich freute mich, daß Samuel überhaupt Lust hatte mitzugehen und daß die Kinder, die mit der anderen Familie gekommen waren und meine Kinder offenbar einen gemütlichen und netten Nachmittag verbringen konnten. Charlotte lief gut mit, wir hatten keinen Buggy dabei und das war etwas gewagt, denn in der Nacht zuvor hatte sie zwei Grand Mals und eine Gabe Valiquidtropfen gehabt. Aber den großen Rehabuggy mitzuschleppen ist immer so ein Aufwand, den ich gerne meide, und wenn der Buggy erstmal dabei ist, sitzt Charlotte oft drin, obwohl sie genauso gut laufen könnte. Und ich oder sont jemand muß das schwere Gefährt ja auch schieben, was auch nicht so angenehm ist.

Heute begannen Charlotte und ich unseren Tag mit einem leckeren Melonen-Obstsalat-Frühstück, die Früchte teils konventionell aus dem Supermarkt, teils Euro-Bio, teils echtes (Edel-)Bio (von "Gut zum Leben"). Ich schmeckte diese echten Bio-Johannisbeeren und war ganz verwundert. War das eine besondere Sorte? Denn so (köstlich!), genau so, haben die roten Johannisbeeren aus meiner Kindheit geschmeckt, diejenigen aus dem Täfertinger Garten, die uns irgendwann zum Hals raushingen, wenn Erntezeit war, weil es so sehr viele davon gab und weil wir miternten mußten, diejenigen aus dem Garten meiner Patentante im Tannheimer Tal, auf einer Höhe von über 1100 m ü. NN wachsend, die kostbar waren, weil es nicht so viele davon gab, und diejenigen - viel später gepflanzten - aus dem Garten des Ferienhauses meiner Eltern im gleichen Tal, die genauso kostbar waren bzw. sind. Ich hatte gleich solche Lust, doch endlich hier wegzuziehen und irgendwo auf einem großen, eigenen Grundstück zu leben und wirklich gute Dinge anzubauen ... aber das wird wohl vorerst noch Zukunftsmusik bleiben.

Immerhin haben wir im Garten hinter dem Haus, wo wir wohnen, der ziemlich verwildert ist, dieses Jahr wunderschön große Brombeeren, von denen etliche jetzt schon reif sind und auch überaus lecker schmecken. Dort könnten wir eine Oase gestalten, haben das aber nie geschafft. Und da sind wir schon bei den unangenehmen Seiten dieses Wochenendes: Unsere Nachbarn, die aus unserem Haus - immer wieder habe ich das Gefühl, daß ich hier doch nur in Angst leben kann - sind mir wieder negativ aufgefallen. Es war nach all den Querelen und Übergriffen des Scheusals (der stalkende Nachbar) zwar ein bißchen besser geworden, aber richtig gut ist für mich die Atmosphäre zum Leben hier noch immer nicht wieder geworden. Ob es je wieder werden wird? Einige gute und sogar manche sehr gute Zeiten hatten wir hier ja durchaus gehabt. Aber wenn mir dann der türkische Nachbar grußlos mit einem Gesicht, als ob er am liebsten gleich alles zu Kleinholz schlagen würde, über den Weg läuft, und wenn ich dann feststellen muß, daß mein Waschpulver ein einziger nasser Klumpen ist - was fast nur das Scheusal so angerichtet haben kann (wir haben alle eine gemeinsame Waschküche im Keller) - ja, dann langt's mir mal wieder. Und was noch schlimmer ist: Nicht, daß ich einfach eine Wut kriege, nein, ich bekomme Angst, Angst vor Übergriffen, vor weiterem Mobbing, vor dem Leben hier. Angst davor, Charlotte frei rumlaufen zu lassen und unsere Schweinchen im Garten zu haben (die Katzen dürfen eh schon seit einem knappen Jahr nicht mehr raus) und Beschäftigungen im Keller nachzugehen, wie z. B. dem Wäschewaschen.

Ein Leben in Angst ist - so stelle ich in der letzten Zeit fest (denn ich kannte das vorher nie) - das Schlechteste, was einem passieren kann. Es geht krass in die Richtung, daß das Leben an und für sich überhaupt nicht mehr lohnt bzw. lebenswert ist. Also sage ich mir natürlich immer wieder ganz bewußt, daß es keinen Grund gibt, vor ein paar Nachbarn Angst zu haben, aber die Angst läßt sich - auch wenn diese Strategie einigermaßen wirkt - nicht einfach wegradieren. Ganz stark habe ich außerdem den Eindruck, daß das zwar momentan "mein Bier" ist, was ich hier erlebe, daß es aber andererseits nur ein Spiegel unserer Gesellschaft ist, einer Gesellschaft, die zunehmend unter Angst und Druck (welcher die Angst entweder erzeugt oder, falls schon vorhanden, verstärkt) zu leiden und zu leben hat.

Um kurz nach sieben abends heute hatte Charlotte dann einen Anfall im Garten, nach zehn oder mehr Tagen, die sie nun wenigstens tagsüber keine Anfälle mehr hatte also wieder einer aus dem Wachen. Das ist so zermürbend, vor allem seit ich diese Anfälle mit starker Atemdepression und sogar kurzfristigem Atemstillstand erlebt habe. Und dann erholt sich Charlotte nach solchen Anfällen immer wieder und teilweise unheimlich schnell! Das finde ich erstaunlich und es beruhigt mich schon, aber der Gedanke im Hinterkopf, daß sie einen derartigen Anfall auch nicht überleben könnte, der keimt immer wieder auf. Samuel, der schon davor schlecht drauf war, weil er ein Haus für die Meerschweinchen falsch zusammengebaut hatte, ist mal wieder ganz fertig und schlapp. Dieses Drama mit seiner Schwester schient ihm doch vielmehr zuzusetzen, als ich je wahrhaben konnte, zumindestens in der letzten Zeit erscheint es mir so.

Morgen muß ich einen Haufen Papiere beim Jobcenter abgeben, für mich, die ich Papiere nicht ordentlich in Ordnern oder ähnlich verwahre sondern einfach auf irgendwelchen Stapeln horte, bis diese sich wieder auflösen und das Zeug teilweise entsorgt wird, ein Horror. Ich habe null Lust auf eine nächtliche Suche und überhaupt ist es dieses Jobcenter, diese staatliche Sklavenmarktmaschinerie, die mich mehr drückt in meinem Leben als irgendetwas zuvor oder jeglicher Zustand von Charlotte. Und auch mehr als der stalkende Nachbar, denn das Jobcenter ist etwas nicht wirklich Greifbares, das ganze Gebilde und Gebäude hat etwas stark Kafkaeskes. Und um dieses verfassungswidrige Konstrukt ARGE mit angeschlossenen Jobcentern nicht umordnen zu müssen soll nun sogar die Verfassung geändert werden, welch ein Hohn!

Nun hatte Charlotte gerade noch einen Anfall (im Schlaf). Sie hat sich aber davon schnell erholt und ist nun wieder wach und recht munter. Und sie spielt mit einem ihrer Geburtstagsgeschenke, der Korbschaukel. Diese Korbschaukel ist an der Decke aufgehängt, bei unserem Computer-Arbeitsplatz, so daß Charlotte direkt bei mir oder Samuel sitzen kann und wir mit ihr sprechen können, auch wenn wir am Computer beschäftigt sind. Eine Einrichtung, die wir - bevor es den Korb gab - in ähnlicher Form schon lange haben und die sich voll bewährt hat!

Montag, 7. Juli 2008

Blog Award

Von Bianka habe ich einen Blog Award bekommen. Ich bedanke mich ganz herzlich dafür!


Den "Brilliant Weblog Award" bekommen Websites und Blogs, die besonders wegen ihrer Aktualität, Themen und der Designs auffallen.

Hier sind die Regeln für den Award:

1. Die Ausgezeichneten dürfen das Logo mitnehmen und auf ihrem Blog platzieren.
2. Als Dank setzen sie einen Link zu der Seite, welche sie ausgezeichnet hat.
3. Sucht euch mindestens 7 Blogs aus, welchen ihr diese Auszeichnung verleihen möchtet. Blogs welche eurer Meinung nach brillant in in ihrem Fachgebiet oder im Design sind!
4. Setzt einen Link zu diesen Seiten.
5. Benachrichtigt die Blog-Betreiber, dass sie mit dem Award "Brillante Weblog" ausgezeichnet wurden.

Die Punkte 3, 4 und 5 kann ich auf die Schnelle nicht erfüllen. Da stehen noch einige virtuelle Spaziergänge an, bevor ich den Blog Award weiterverleihen kann. Ich nehme mir vor, diese innerhalb der nächsten zehn Tage soweit ausgedehnt zu haben, daß ich mich für die Weitergabe des Blog Awards auf mindestens 7 (sieben! - das ist nicht wenig!!!) Blogs und/oder Websites festlegen konnte.

Bis dann!

Mittwoch, 2. Juli 2008

Mitmach-Aktion zum Schulzwang-Gedenktag

Zum ersten Schulzwang-Gedenktag am kommenden Sonntag, den 6. Juli 2008, hatte eine Mitarbeiterin des Netzwerkes Bildungshreiheit folgende Idee (die auf verschiedenen Blogs veröffentlicht wird, damit möglichst viele Leser erreicht werden und daran teilnehmen können):

We could all write a post about how our lives would be if homeschooling were legal, free, open, accepted. How legalising homeschooling would strengthen families and communities. About what we would be able to do together if we weren’t scared and working ‘underground’.

Dies ist eine der diversen Ideen zum Schulzwang-Gedenktag.

Zielgruppen:

  • diejenigen, die in Deutschland bereits Bildung ohne Schulbesuch praktizieren (die Kinder und Jugendlichen, die sich so bilden, und die Eltern, welche diese Art der Bildung bereits begleiten)
  • diejenigen, die dies gerne tun würden, wäre es legal oder hätten sie eigene schulpflichtige Kinder
  • Pädagogen (LehrerInnen, ErzieherInnen), welche lieber institutionsfrei die Entfaltung und das Lernen von Kindern und Jugendlichen begeliten würden
  • Anbieter von Materialien und Kursen aller Art, welche das Lernen und allgemein die Bildung von Kindern und Jugendlichen betreffen
  • wer immer sich angesprochen fühlt, einen ernsthaften Beitrag dazu zu verfassen (Visionen zu Bildung in Freiheit …)

Beiträge dazu werden bis Sonntag, den 7. September 2008, gesammelt. Sie sollen dann zum Internationalen Tag der Bildungs-Freiheit, welcher am 15. September 2008 gefeiert wird, veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung erfolgt auf Wunsch anonym oder unter Angabe des Namens der jeweiligen Autoren.

Mitmachen können auch Betreiber von Websites oder Blogs, indem sie einen entsprechenden Beitrag auf ihrer Seite veröffentlichen und eine Verlinkung dazu ermöglichen.

Beiträge und Links zu dieser Aktion bitte an folgende Email.

Schon im Voraus herzlichen Dank allen, die sich daran beteiligen werden!

Dienstag, 1. Juli 2008

Wie Charlotte lernt (1)

Charlotte hat wenige Bücher, die sehr wichtig für sie sind. Einige haben wir bereits mehrmals kaufen müssen, weil sie mit der Zeit durch dauerndes eigenwilliges Herumtragen (in aufgeschlagenem Zustand an einer Ecke festgehalten und ähnliches) einfach völlig kaputt gehen. Leider gibt es von den wichtigen Büchern auch nicht mehr alle zum Kaufen, z. B. den "Max braucht ein Pflaster", den wir mindestens dreimal bereits antiquarisch erworben hatten - und das einzige derzeit noch verwendbare Exemplar hüte ich jetzt wie ein Augäpfelchen. Und wir finden auch nicht immer alle dieser wichtigen Bücher genau dann, wenn sie von Charlotte angefordert werden. Die Bücher sind immer unterwegs mit Charlotte, werden dann irgendwo hingelegt, wo man sie nicht unbedingt so auf den ersten Blick gleich sehen kann - und irgendwann freut man sich dann über deren Wiederauftauchen.



Eines der wichtigen Bücher ist für Charlotte das oben abgebildete DUDEN - Kennst Du das? Das ABC. Wir haben davon ein fast zerfallendes Exemplar und ein neues. Beide waren tagelang verschwunden. Umso mehr freute sich Charlotte, als ich das fast zerfallende wiederfand und ihr gab. Sie hat wirklich gestrahlt vor Freude darüber, daß ihr Buch wieder da war.

Ich habe ihr eine Seite aufgeschlagen (selber kann sie das Buch nicht aufschlagen, höchstens mal als Zufallsprodukt, aber davor ärgert sie sich lange herum, weil sie es eben nicht schafft, es aufzumachen). Also habe ich, um ihr Frust zu ersparen, eine Seite - und zwar die mit dem R - aufgeschlagen. Erst habe ich sie nach dem Reißverschluß gefragt, dem grünen, und sie hat ihn gezeigt und immer wieder das Wort Reißverschluß auszusprechen geübt (Schleißschluß sagt sie meist dazu). Ich habe dann eine kleine Pause in der Konversation mit ihr eingelegt, und plötzlich strahlte sie mich wieder an und sagte (wunderbar ausgesprochen, klar und verständlich auf den ersten Anhieb): "Da ist die Rassel." Und sie zeigte auf die Rassel. Das hat mich natürlich sehr gefreut, sowohl, daß sie so schön aussprechen konnte, als auch, daß sie sich ohne vorher Worte und Laute im Mund zu wälzen, an die Rassel erinnerte. Denn diese Seite mit dem R haben wir schon lange nicht mehr angesehen. Sie hat nämlich auch Lieblingsseiten in dem Buch, und manchmal werden deswegen die anderen Seiten wochen- und monatelang nicht angesehen.

Ich habe Charlotte dann noch nach anderen Sachen auf der R-Seite gefragt, z. B. nach dem Rad, und sie zeigte dann jeweils darauf. Ich fragte auch nach dem Buchstaben, dem R, aber irgendwie ließ sie das an diesem Tag kalt. Buchstaben interessierten sie offensichtlich gerade nicht so.

Vor vielleicht zwei Jahren (oder sind es vielleicht schon drei mittlerweile?) begann Charlotte, in diesem DUDEN-Buch die Buchstaben zu entdecken, nachdem sie davor nur Bilder angeschaut und benannt hatte. Und das Interesse für die Buchstaben nahm dann zu: Ich nannte ihr die Namen und machte ihr die Lautierung der Buchstaben vor und sprach Wörter damit für sie, die mit den entsprechenden Buchstaben anfangen. Sie selber zeigte dann auch irgendwann auf die nur unauffällig und klein gedruckten Benennungen der Gegenstände in dem Buch, und ich sagte ihr, was es bedeutet.

An besagtem Tag kam Charlotte dann schließlich doch wieder mit dem Wuinsch nach einer ihrer Lieblingsseiten - aber ich verstand ihn erstmal nicht gleich. Sie wollte "de' Pulli schauen" - ein Pulli? Gibt es doch gar nicht in dem Buch. Also nannte ich ihr einige Kleidungsstücke aus dem Buch und schließlich kam heraus, daß sie das Kleid sehen wollte. Auf der Seite mit dem Kleid ist auch ein Koffer, und da sprechen wir dann meist längere Zeit darüber, daß man das Kleid zusammenlegen und in den Koffer einpacken kann. Das gefällt ihr besonders gut. Schließlich fragte ich sie nach den Knöpfen. Sie nahm sie nicht von sich aus wahr, und ich zeigte sie ihr. Und da erklärte sie mir, "de' Nopf auf de' Leid", das fand ich großartig. Sie hatte das noch nie so gesagt, jedenfalls nicht zu mir. Und dann sprachen wir noch ein bißchen darüber, daß man die Knöpfe mit Nadel und Faden am Kleid annähen kann. Dann war sie müde (es war schon abends) und ging ins Bett. Natürlich mit dem Buch zusammen, das sollte auch schlafen.