
Lange Zeit, über Jahre hinweg, hat Samuel Röhrenfiguren aus Klopapierrollen gebastelt. Später kamen die größeren "Brüder und Schwestern" aus Küchenpapierrollen hinzu, noch später Miniaturmodelle aus selbstgefertigten Röhren. Zeitweise ging er zu einer guten Bekannten (ein bißchen Oma-Erastz vor Ort), um dort zu basteln, denn sie hatte immer genug Material auf Lager. Außerdem hatte er dort Ruhe vor seiner Schwester, und er konnte auch ab und an mal fernsehen, da wir ja selber seit vielen Jahren keinen Fernseher mehr haben.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, daß schulfreies Leben nicht mit fehlenden sozialen Kontakten einhergeht. Im Gegenteil - die sozialen Kontakte sind reichhaltiger und vielfältiger, wenn auch wohl geringer an der Zahl. Letzteres ist ganz einfach dadurch erklärbar, daß im normalen Leben eben nicht dauernd zwanzig oder dreißig andere den gleichen Raum mit einem teilen. Ersteres ist vollkommen natürlich, die sozialen Kontakte umfassen Menschen jeden Alters und bleiben nur dann auf (eine gewisse) Dauer bestehen, wenn sie sich vertiefen können und Beziehungen daraus werden können, und dafür hat ein Kind, das nicht den Großteil seiner Tage in einem Klassenverband verbringen muß, viel Freiraum. Sie ändern sich entsprechend dem Alter und den Interessen des Heranwachsenden, so wird z. B. heute bei unserer Bekannten nur noch selten gebastelt, aber Samuel geht immer noch ab und an gerne hin, wenn es etwas zu erledigen gibt, um fern zu sehen, um Gespräche über Gott und die Welt zu führen oder einfach mal eine Auszeit von zu Hause zu nehmen. Und er trifft dort gelegentlich andere Menschen oder kann auch mal einen Freund mitbringen, um z. B. ein paar Runden Karten zu spielen.
1 Kommentare:
Auch bei uns basteln die Kinder viel mit Klopapier-Rollen. Wir haben vor einiger Zeit sogar einen Teilbereich im Fach Geschichte (Tiroler Freiheitskämpfe um 1809) mit solchen Figuren nachgespielt, gefilmt und ins Youtube gestellt - voll krass!
:)
Was ich sagen wollte: In vielen Dingen schaut man sehnsüchtig nach Deutschland und flucht auf die italienische Gesetzgebung. Aber was eure Schulpflicht betrifft, ist das der reinste Horror, und auf einmal sind wir wieder froh darüber, ItalienerInnen zu sein. Ich drücke euch fest die Daumen, dass es doch noch zu europäerischen Öffnungen in diesem Bereich kommt. Die Perfektion haben wir hier auch nicht (Kontrolle durch Schulamt, Zwischenprüfungen, individueller Lernplan usw.), aber es lässt sich doch gut damit leben.
Kommentar veröffentlichen