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Dienstag, 24. November 2009

Heute Abend im ZDF - Portraits der Familien Neubronner und Dudek

Dienstag, 24.11.2009, 22:15 - 22:45 Uhr

Länge: 30 min

Dokumentationsreihe, Deutschland, 2009

Wdh. am 24.11.2009 02:30 Uhr

37 Grad

Unterricht am Küchentisch



Wenn die Schulpflicht verweigert wird


Als Moritz zunehmend mit Krankheiten und aggressivem Verhalten auf den Schulbesuch reagiert, geben die Eltern Dagmar und Tilman Neubronner dem Drängen ihres damals achtjährigen Sohnes nach, ihn von der Schule abzumelden. Seitdem lernt Moritz zuhause, sein jüngerer Bruder Thomas auch - trotz Schulpflicht in Deutschland. Als die Behörden davon erfahren, werden Neubronners hohe Zwangsgelder auferlegt mit der Androhung weiterer Zwangsmaßnahmen, falls sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken.

Aus Furcht, das Sorgerecht zu verlieren, verlässt die Familie Deutschland und hält sich größtenteils im europäischen Ausland auf - bis heute. Unermüdlich kämpfen die Eltern für die Lernfreiheit ihrer Kinder, damit die Familie ein normales Leben in Bremen, wo ihr zuhause ist, führen kann. Heute sind Moritz und Thomas zwölf und zehn Jahre alt und wären eigentlich in der siebten und fünften Klasse. Stattdessen lernen die beiden freiwillig zuhause und bestimmen ihre Lernziele selbst. Neubronners gehören zu den so genannten Unschoolern. Sie folgen einer Philosophie, nach der Kinder gern lernen und dies am besten ohne Zwang.

Auch Rosemarie und Jürgen Dudek widersetzen sich der Schulpflicht. Sie unterrichten ihre Kinder zuhause wie in einer Zwergschule. Der Stundenplan richtet sich nach dem offiziellen Lehrplan. Von ihren sieben Kindern sind derzeit vier Kinder schulpflichtig. Dudeks wollen ihren besonderen Glauben an Gott und die Bibel leben. Aus diesem Grunde möchten sie ihre Kinder nicht staatlichen Schulen überlassen, wo sie ihre Werte nicht wiederfinden. Im Gegensatz zu anderen strenggläubigen Christen gehören Dudeks weder einer religiösen Gruppe an noch versuchen sie, ihre Kinder von der Welt fernzuhalten. Soziale Kontakte knüpfen sie bei der freiwilligen Feuerwehr, im Schwimmverein oder bei den Pfadfindern. Wie die meisten Eltern wollen auch Rosemarie und Jürgen Dudek nur das Beste für ihre Kinder.

Damit ihr ältester Sohn Jonathan seine Schulzeit mit einem staatlichen Schulabschluss beendet, besuchte er im letzten Jahr die zweite Hälfte der zehnten Klasse einer Realschule. Mit der Note 1,1 schloss Jonathan das Schuljahr als Klassenbester ab. Seit fast zehn Jahren unterrichten Rosemarie und Jürgen Dudek ihre Kinder inzwischen zuhause. Aufgrund von Wohnungswechseln blieben sie lange von den Behörden unentdeckt. Im letzten Jahr wurden die Eltern zu je drei Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, ohne Bewährung. Dudeks gehen in Revision und müssen vorerst nicht ins Gefängnis. Jetzt warten sie auf das endgültige Urteil.

In den meisten europäischen Ländern ist Unterricht zuhause, so genanntes Homeschooling, erlaubt oder zumindest geduldet. Kaum ein Land hält so verbissen an der Schulpflicht fest wie Deutschland, mit allen Konsequenzen für die Betroffenen. Wie viele Familien in Deutschland tatsächlich Unterricht zu Hause praktizieren ist nicht bekannt, realistische Schätzungen kaum möglich. Wer einmal untergetaucht ist, verhält sich so, dass er unentdeckt bleibt, oder verlässt Deutschland rechtzeitig für die Zeit, in der die Kinder schulpflichtig sind.

Film von Gregor Bialas

http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1020910_idDispatch:9149649,00.html

Samstag, 21. November 2009

aktueller Newsletter vom Netzwerk Bldungsfreiheit: Fall Dudek und die Sozialisation

Liebe Freunde der Bildungsfreiheit,
von Jürgen Dudek erhielt ich heute den Auszug aus einem Artikel der Zeitung für das holz- und metallverarbeitende Gewerbe in Deutschland, wo ein ganzseitiger Artikel über die Dreharbeiten des ZDF in dem Ausbildungsbetrieb ihres Sohnes Jonathan Dudek enthalten ist. Darin wurde auch der Frage nachgegangen, ob Homeschooling die nötige Sozialkompetenz vermittele oder ob die Kinder dort nicht in einer Art Parallelwelt aufwachsen. So lauten ja immer wieder die oft geäußerten Bedenken. Die Realität zeigt indes etwas ganz anderes. Der Zeitungsartikel enthält einige interessante Aussagen des Geschäftsführers der Möbelschreinerei, Günther Füllgraf, in der Jonathan Dudek jetzt arbeitet. So heißt es darin: "Meine Gesellen sagen: Der Junge ist klasse", berichtet Füllgraf. "Er hat soziale Kompetenz, fügt sich ein, will alles wissen. Solche brauchen wir." Solche Aussagen widerlegen all die vermeintlichen Vorurteile der Staatsgläubigen eindrucksvoll.
Der ganze Artikel steht auf unserer neu aktualisierten Seite für Dudeks http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/html/dudek.html zum Download bereit.
Oder hier der direkte Link zum pdf Dokument http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/pdf/ZfhkvG.pdf.
Auf der Sonderseite wurden neue Links einfügt, die Informationen aktualisiert und man kommt von dort auch zu der lesenswerten Verteidigungsrede, die Jürgen Dudek anlässlich der letzten Verhandlung vor Gericht gehalten hat. Sie vermittelt einen guten Einblick in die Beweggründe der Eltern.
Eine aktuelle Berichterstattung für unsere englischen Freunde ist hier zu lesen http://www.hslda.org/hs/international/Germany/200911200.asp
Die entscheidende Fortsetzungsverhandlung wird am 25.11. um 10 Uhr vor dem Landgericht Kassel stattfinden. Gleichzeitig ist eine Demonstration vor dem Gerichtsgebäude geplant. Vorher, am 24.11. wird das ZDF in seiner Sendung 37 Grad über Dudeks und Neubronners berichten.
Ein lesenswerter Artikel in "eigentümlich frei" beleuchtet unter dem Titel "Schule 2030 Ist Homeschooling die Zukunft" den Aspekt von Präsenzzeiten im Onlinezeitalter.
Herzliche Grüße
Jörg Großelümern
Netzwerk Bildungsfreiheit

Habe ein Stöckchen aufgefangen - schaut mal bei Meine kleine weite Welt vorbei.

Von Isla bekam ich letztens ein Stöckchen zugeworfen und habe es dann auf meinem neuen Blog "Meine kleine weite Welt" beantwortet, weil es dort besser hinpaßt als hierher.

Das Stöckchen kam zu mir von Islas Songbirds-Blog via More Than Words und Buntglas, Blogs, die ich hiermit zum Lesen, Verfolgen, Stöbern ... gerne weiterempfehlen möchte.


Sonntag, 15. November 2009

Schüler bei ils - Zeitaufwand-Vergleich

Samuel beginnt den Fernschul-Lehrgang Abitur bei ils auf dem niedrigsten angebotenen Niveau: für Hauptschulabschluß-Absolventen (ils - Abitur - 1. Einstieg). Regulär dauert dieser Lehrgang dreieinhalb Jahre mit durchschnittlich 15 Wochenstunden Zeitaufwand fürs Lernen, das wären je 3 Stunden von Montag bis Freitag. Für Englisch gibt es einen kompakten Grundlehrgang als Einführung, die zweite Sprache wird bei Null begonnen, eine evt. dritte natürlich auch.

In den angefragten Gymnasien, die Samuel hier vor Ort besuchen wollte, wurde ihm der Zugang u. a. mit dem Verweis darauf verweigert, daß er bei den Sprachen niemals mithalten könne (was ja eine pure Unterstellung ist). Er wäre ins Gymnasium in Klasse 9 eingestiegen und hätte somit in vier Jahren regulär (ohne "Ehrenrunde") das Abitur gemacht. Wöchentlicher Aufwand wären, wenn ich von Erzählungen betroffener Schüler ausgehe, 30 bis 40 Schulstunden und die dazukommenden Zeiten für die Hausaufgaben gewesen, also etwa nochmal 10 bis 15 Stunden pro Woche.

40 bis 55 Wochenstunden an einem Gymnasium gegenüber 15 Wochenstunden bei ils - ist das nicht krass? Beide Wege sollten zum Abitur führen, und tun das nachgewiesenermaßen bei ils mit sehr hoher Erfolgsquote!

Ein Grund, warum Samuel von den angefragten Gymnasien nicht aufgenommen wurde, war, daß man ihm mit "nur einem Hauptschulabschluß" nicht zutraute, die nötigen Leistungen zu erbringen. Nun, wenn er das in dieser opulent bemessenen Zeit nicht geschafft hätte, würde er es dann jemals in der bescheiden bemessenen Zeit über ils schaffen können?

Unser Schulsystem basiert auf Lug und Trug, ja, es ist Lug und Trug! Lug und Trug auf dem Rücken der gutgläubigen Kinder, die mit ihren sechs Jahren dem Schuleintritt meist noch entgegenfiebern, darauf wartend, der Erwachsenenwelt ein bißchen näher zu rücken ... Wir, die Erwachsenen sollten uns schämen, schämen, schämen ... :(

Schüler bei ils - Kostenvergleich

Samuel ist nun Schüler bei der Fernschule ils - Institut für Lernsysteme GmbH in Hamburg.

Der Abiturslehrgang, der regulär 42 Monate dauert, aber kostenfrei um bis zu zwei Jahre verlängert werden kann, kostet uns insgesamt ganze 5.124 EUR. (Wir haben eine kleine Ermäßigung als ALG 2-Bezieher bekommen, normalerweise lägen die Kosten bei ca. 5.800EUR.)

Das ist in etwa der Betrag, den ein Schulplatz an einer vergleichbaren öffentlichen Schule, die aufs Abitur vorbereitet, kosten würde (vgl. Was kostet ein Schulplatz?). Hätte Samuel nach seinem Hauptschulabschluß eine öffentliche Schule besucht, hätte es nach dem Willen der Verantwortlichen zuerst nur eine Realschule sein dürfen, dort zwei Klassenstufen, dann Realschulabschluß, dann z. B. ein dreijähriges Berufsgymnasium, insgesamt also fünf Jahre. 5 mal gerundet 6.000 EUR = gerundet 30.000 EUR wären somit die Kosten dafür, daß er schließlich die allgemeine Hochschulreife (Abitur) erreichen würde, bei ils sind es ein Fünftel bis ein Sechstel dieser Kosten!

Deutschland ist pleite und spart dies bei den hiesigen "Ärmsten der Armen", z. B. den Kindern der ALG 2-Empfänger, ein, aber sinnvolle und billige Alternativkonzepte zum schulischen Lernen werden weiterhin kriminalisiert! Samuel unterliegt, nachdem er den Hauptschulabschluß absolviert hat, ja eigentlich noch der Berufsschulpflicht, was wir nun machen, ist also wieder einmal "außerhalb der Legalität".

Aber offensichtlich ist es wichtiger, jedes Kind und jeden Jugendlichen bis zum Anschlag durch ein marodes Schulsystem zu schleifen, anstatt dafür zu sorgen, daß Familien ausreichend Geld haben, um mit ihren Kindern Ausflüge machen zu können, gute Nahrungsmittel kaufen können und auch mal einen Familienurlaub machen können. Armes Deutschland!